Die Ausgangsfrage der diesjährigen „Wie wir wirklich leben“-Studie war, welche Leistungen politische Systeme erfüllen müssen, damit Bürgerinnen und Bürger mit ihnen zufrieden sind. Grundlage für diese Ausgangsfrage war die Beobachtung, dass Politik – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – dazu tendiert, Leistungen und Leistungsfähig vor allem an ihrem Ouput, an dem, was sie am Ende ganz konkret liefern, festzumachen. „Politik muss jetzt wieder etwas leisten“ meint aktuell, Politik muss einen anderen – besseren, schnelleren – Output generieren. Daran, so die Annahme, misst sich, ob Bürgerinnen und Bürger mit Politik zufrieden sind.
Die Ergebnisse der diesjährigen Studie zeigen, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Zwar weisen alle drei Dimensionen einen positiven Zusammenhang mit politischer Zufriedenheit auf, was heißt, je zufriedener man mit den Leistungen des politischen Systems in jeder dieser Dimensionen ist, desto zufriedener ist man mit Politik insgesamt. Der stärkste Zusammenhang besteht in dieser Studie zwischen der Input Dimension und politischer Zufriedenheit.
Was bedeutet das? Zunächst lässt sich daraus ein positives Fazit ziehen. Es zeigt deutlich die Relevanz der Einhaltung demokratischer Verfahren und Grundsätze in politischen Prozessen für die deutsche Bevölkerung. Output liefern reicht nicht aus, werden demokratische Regeln auf dem Weg dorthin übergangen. Besonders angesichts des Rechtfertigungsdrucks demokratischer Systeme, Outputs manchmal langsamer zu liefern als Autokratien, ist das ein positives Ergebnis. Auch zeigt es, dass die deutsche Bevölkerung weit weg ist von politischer Resignation. Die Input-Dimension umfasste Fragen danach, ob man sich repräsentiert fühlt und sich politisch beteiligen kann. Wenn man das kann, steigt auch die politische Zufriedenheit. Umgekehrt gilt bei dem festgestellten Zusammenhang aber auch: Wer diese demokratischen Grundwerte für sich nicht verwirklicht sieht, wer sich nicht repräsentiert fühlt, das Gefühl hat, die eigenen Anliegen werden politisch nicht bearbeitet oder man kann sich nicht ausreichend beteiligen, ist politisch tendenziell unzufriedener – auch, wenn Outputs gegebenenfalls geliefert werden. In der Enttäuschung darüber, sich nicht genug einbringen zu können, steckt aber immer noch der Wille, dies mehr zu tun.
Was kann man also machen, um politischer Unzufriedenheit in der Gesellschaft – und damit letztlich auch einer Wahlentscheidung für eine rechtspopulistische Partei, sind AfD-Wählerinnen und -Wähler nicht zuletzt die unzufriedenste Gruppe in dieser Studie – entgegenzugehen? Wenn Input so relevant ist, braucht es niedrigschwellige Angebote, ihn geben zu können. Das heißt häufig, er muss für Bürgerinnen und Bürger nah vor Ort sein und sichtbarer und einfacher zugänglich sein als Parteibüros. Die höhere Zufriedenheit in dieser Studie mit Politik auf der lokalen Ebene spricht zusätzlich dafür, dass Politik besser bewertet wird, hat man konkrete Ansprechpartner vor Ort. Auch digitale Angebote zur politischen Beteiligung sind eine Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl der Erreichbarkeit und Nähe niedrigschwellig zu vermitteln. Besonders für innerparteiliche Abstimmungen können sie leicht genutzt werden, um Beteiligungsmöglichkeiten zu erhöhen. Alleine dadurch – unabhängig davon, ob beim Output nun rauskommt, was individuelle Bürgerinnen und Bürger sich gewünscht haben – können Meinungen direkt kanalisiert werden. Es entsteht das Gefühl, Input geben zu können.
Die diesjährige Studie zeigt, dass es zu kurz greift, politische Unzufriedenheit allein darauf zurückzuführen, dass Outputs unzureichend geliefert werden. Entsprechend ist es auch zu wenig, nur an der Output-Ebene anzusetzen, will man politische Unzufriedenheit bearbeiten. Es ist eine Maßnahme, aber nicht die einzige. Die Unzufriedenen in dieser Studie sind primär von der fehlenden Realisierung ihrer demokratischen Anforderungen enttäuscht. Sie haben das Gefühl, das politische System erfüllt seine Leistungsversprechen auf der Input-Seite nicht. Politisch reicht die Fokussierung auf den Output also nicht aus. Und es lohnt sich, an der Input Seite zu arbeiten und ihre Relevanz neben funktionierenden Outputs aufrechtzuerhalten, anstatt sie zu übergehen – nicht zuletzt ist sie die Dimension, die Demokratien von Autokratien unterscheidet.