Ergebnisse
Input
Die Input-Ebene stellt darauf ab, wie Bürgerinnen und Bürger ihre Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen wahrnehmen. Empirisch setzt sie sich aus der Zufriedenheit mit acht verschiedenen Teilbereichen zusammen, die auf der linken Seite von Abbildung 2 aufgeführt sind.
Besonders ins Auge fallen zunächst die Parteianhängerschaften, die stets nach demselben Muster verteilt sind: Befragte mit einer Wahlabsicht für die AfD und das BSW bewerten jeden der Input-Teilbereiche systematisch am negativsten. So sind hinsichtlich der Möglichkeit ihrer politischen Teilhabe Unterstützerinnen und Unterstützer der AfD konsistent am unzufriedensten, gefolgt von Unterstützerinnen und Unterstützern des BSW. Befragte, die die CDU/CSU, SPD, Grüne oder FDP unterstützen, geben erheblich positivere Einschätzungen ab. Die Input-Bewertungen dieser vier Parteien bewegen sich nahezu überall auf sehr ähnlichem Niveau. Als die Parteianhänger, die tendenziell am positivsten auf politische Partizipation und Repräsentation blicken, sind die Grünen. Sichtbar wird hier der mittlerweile bekannte politische Antagonismus zwischen Grünen auf der einen, und der AfD auf der anderen Seite.
Auffällig ist auch, dass alle acht Input-Teilbereiche im Durchschnitt in einem nahezu ähnlichen Bereich bewertet werden – verteilt ober- und unterhalb der Antwortkategorie „neutral“. Der Teilbereich mit der positivsten Bewertung insgesamt ist der „Einfluss durch Wahlen“. Dies ist ermutigend, wird die Legitimität freier demokratischer Wahlen doch vielerorts öffentlich angezweifelt. Danach folgen die beiden Bereiche „politische Beteiligung“ und „gleichmäßige politische Beteiligung“. Letzterer bildet die gleichen Möglichkeiten von Menschen aller sozioökonomischen Hintergründe ab, sich politisch einzubringen. Daran anknüpfend ist ebenfalls interessant, dass Unterstützerinnen und Unterstützer aller Parteien politische Vertretung bzw. Repräsentation durch hauptamtliche Politikerinnen und Politiker negativer bewerten als die Möglichkeit eigener Teilhabe. Fragen der Partizipation werden hier insgesamt besser bewertet, als Fragen der Repräsentation. Am negativsten betrachten die Befragten insgesamt „(Meine) Meinung zählt“ und „Aufgreifen der Bürgeranliegen“. Dieser Befund verdeutlicht, dass viele Bürgerinnen und Bürger ihre Sorgen, Nöte und Themen nicht ausreichend politisch adressiert sehen; ein möglicher Treiber des zunehmenden Politikverdrusses.
Throughput
Die Throughput-Ebene gibt an, wie Bürgerinnen und Bürger Verfahren und Effizienz politischen Handelns wahrnehmen. Empirisch setzt sie sich erneut aus acht verschiedenen Teilbereichen zusammen, die in Abbildung 3 aufgeführt sind. Gefragt wurde hier etwa nach der Dauer parlamentarischer Prozesse, der Transparenz von Entscheidungsprozessen oder der richtigen Prioritätensetzung bei Staatsausgaben ebenso wie bei politischen Themen.
Direkt ersichtlich sind hier zwei Beobachtungen. Erstens werden insgesamt alle Throughput-Teilbereiche deutlich negativer bewertet als die Input-Teilbereiche. Im Schnitt liegen sie verteilt um die Antwortkategorie „stimme eher nicht zu“. Zweitens liegen die Bewertungen der unterschiedlichen Parteianhängerschaften auf dieser Ebene stets deutlich näher zusammen als beim Input. Es besteht also eine bemerkenswert große, parteiübergreifende Übereinstimmung, dass Verfahren und Effizienz politischen Handelns deutlich verbesserungswürdig sind. Auch die Polarisierung zwischen Anhängern der Grünen gegenüber Anhängern der AfD ist weniger stark ausgeprägt. Ausnahmen bilden hier allein die Bereiche „Richtige Prioritätensetzung bei Politik“ und „Bundesregierung handlungsfähig“ (zum Befragungszeitpunkt setzte sich die Koalitionsregierung aus CDU/CSU und SPD zusammen). Letzterer ist der am positivsten bewertete Bereich der Throughput-Ebene.
Insgesamt am negativsten bewerten die Befragten eine „Richtige Prioritätensetzung bei Ausgaben“. Auch dieser Befund gibt Anlass zur Sorge, sind doch Staatshaushalt und Staatsausgaben die in Zahlen gegossene Priorisierung von politischen Themen und Entscheidungen. Auch die Aussage, dass viele Verfahrensschritte sinnvoll sind, wird von Anhängerinnen und Anhängern aller Parteien entschieden negativ betrachtet. Aktuell angestoßene Schritte zu Verfahrenserleichterungen und Bürokratieabbau könnten hier – wenn sie denn spürbare Verbesserungen bringen – perspektivisch zu einer verbesserten Wahrnehmung führen.
Output
Die Output-Ebene betrachtet, wie Bürgerinnen und Bürger die Politik hinsichtlich ihrer Leistungserbringung in verschiedenen Aufgabenbereichen wahrnehmen. Es geht also zentral darum, ob die Leistungen der Politik den an sie gerichteten Erwartungen gerecht werden. Wie bereits zuvor, wurde auch die Output-Ebene in acht verschiedenen Teilbereichen abgefragt, die Abbildung 4 detailliert auflistet. Hierzu zählten etwa eine funktionierende öffentliche Daseinsvorsorge, eine Gewährleistung von Sicherheit auf den Straßen oder die Sicherung von Stabilität und Wohlstand.
Insgesamt fällt auf, dass die Befragten die Output-Ebene deutlich positiver wahrnehmen als die Throughput-Ebene. Im Durchschnitt werden viele Bereiche hier um die Kategorie „neutral“ bewertet, wodurch die Antwortstruktur stark der Input-Ebene ähnelt. Hinzu kommt auch, dass die Abstände zwischen den verschiedenen Parteianhängerschaften wieder erheblich größer sind, als bei der Throughput-Ebene. Somit tritt die Polarisierung zwischen Grünen als zufriedenster und AfD als unzufriedenster Partei bei vielen Bereichen wieder auf. Anhängerinnen und Anhänger des BSW sind strukturell am zweitunzufriedensten mit der politischen Leistungserbringung. Befragte, die beabsichtigen, die Linke zu wählen, schwanken sehr in ihren Output-Bewertungen, je nach Bereich. Anhängerinnen und Anhänger von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP hingegen ähneln sich erneut in Ihren Antworten und bewerten den Output um einiges positiver als die populistischen Ränder.
Am positivsten bewerten Befragte aller Parteien die Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe, gefolgt von einer funktionierenden Daseinsvorsorge. Überraschenderweise gilt dieser Befund auch für die AfD, deren Unterstützerinnen und Unterstützer die beiden Bereiche bemerkenswert positiv wahrnehmen. Am insgesamt negativsten wird das mangelnde Abfedern von Preissteigerungen betrachtet. Die in diesem Sommer nicht erfolgte Energiepreissenkung für die privaten Haushalte dürfte nicht zuletzt wegen dieser Wahrnehmung eine so nachhaltig negative Reaktion hervorgerufen haben.
Zufriedenheit mit den Dimensionen
Nach der ausführlichen Analyse der drei Ebenen wurde ein Index gebildet, um Input, Throughput und Output jeweils mit einem einzigen Wert quantifizieren und vergleichen zu können. Die Indexbildung erfolgte anhand einer Hauptkomponentenanalyse, indem für jede Ebene die drei Bereiche mit dem jeweils stärksten Differenzierungspotenzial aller Befragten ermittelt wurde. Im nächsten Schritt wurde jeweils der Mittelwert dieser drei Bereiche berechnet. Diese drei Indizes wurden standardisiert, das heißt ihr Mittelwert wurde auf 0 gesetzt und ihre Standardabweichung auf 1. Dieses Vorgehen ermöglicht eine direkte Vergleichbarkeit der Indizes für spätere Regressionsanalysen.
Abbildung 5 zeigt die Indizes aller drei Ebenen im Vergleich. Konsistent mit der vorangegangenen Einzelbetrachtung werden Input und Output recht ähnlich bewertet. Angesichts dessen, dass die Antwortkategorie „neutral“ einen Wert von 3 aufweist, können diese Bewertungen die deutsche Politik nicht zufriedenstellen. Noch negativer fällt die Bewertung der Throughput-Ebene im Vergleich aus. Dies unterstreicht erneut, dass die größte Unzufriedenheit in der Bevölkerung über Verfahren und Effizienz des politischen Handelns besteht.
Im Folgenden wird betrachtet, inwiefern sich die Bewertung der drei Ebenen anhand verschiedener weiterer Charakteristika der Befragten unterscheidet. Hierbei wurden keine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland festgestellt und geringe Unterschiede beim Wohnort. Befragte, die im städtischen Raum wohnen, sind tendenziell zufriedener mit allen Ebenen. Kleine Unterschiede bestehen auch beim Alter, wo jüngere Befragte geringfügig zufriedener sind als ältere.
Größere Unterschiede hingegen finden sich bei Bildungsstand, Einkommen und Geschlecht. Hinsichtlich des Bildungsstandes fällt auf, dass Befragte mit (Fach-)Abitur alle drei Ebenen deutlich positiver betrachten als Befragte mit Haupt- oder Realschulabschluss. Bei Einkommen zeigt sich, dass Menschen mit höheren Einkommen die Input-Ebene erheblich positiver wahrnehmen als Menschen mit geringeren Einkommen. Auch beim Output lassen sich noch entsprechende Unterschiede zwischen den Einkommensklassen erkennen, beim Throughput allerdings werden diese sehr gering, was erneut auf die weit verbreitete Unzufriedenheit mit politischen Verfahren und Effizienz in allen sozio-ökonomischen Schichten hindeutet. Zudem findet sich auch ein Unterschied hinsichtlich Geschlecht der Befragten: Männer sind zufriedener mit allen drei Ebenen als Frauen.
Befragte mit höherem Bildungstand zufriedener mit den drei Ebenen
Befragte mit höherem Einkommen zufriedener mit den drei Ebenen
Männer zufriedener mit allen drei Ebenen
Zufriedenheit mit Politik insgesamt, Land und lokale Ebene
In dieser Abbildung ist die Zufriedenheit mit der Politik insgesamt sowie mit der Landes- und der Lokalpolitik dargestellt. Dieser Perspektive ist aufschlussreich, da Zufriedenheit mit der Politik insgesamt die Zielgröße in der nachfolgenden Analyse ist. Untersucht wird der Einfluss der drei Ebenen wahrgenommener Leistungsfähigkeit – Input, Throughput und Output – auf die übergeordnete Politikzufriedenheit. Zentral sind drei Befunde: Erstens, Befragte, die den Parteien CDU/CSU, SPD und Grüne nahestehen, bewerten die Zufriedenheit aller politischer Ebenen auf ähnlichem, mittleren Niveau, etwas oberhalb der neutralen Bewertung. Zweitens, die politischen Ränder, AfD und BSW, sind besonders unzufrieden mit allen politischen Ebenen. Drittens, je mehr die politische Ebene die unmittelbare Lebenswirklichkeit der Befragten berührt, desto positiver ist die Bewertung. So wird die lokale Ebene stets am positivsten wahrgenommen, darauf folgt die Landesebene und schließlich die Politik insgesamt, die viele Befragte mit der Bundespolitik gleichsetzt haben dürften. Diese abgestufte Wahrnehmung je nach Ebene tritt am stärksten bei AfD und BSW auf, was widerspiegelt, dass beide Parteien vor allem gegen die übergeordnete Politik auf Bundes- und Landesebene mobilisieren, weniger gegen die Lokalpolitik. Populistische Narrative beider Parteien, die eine vermeintliche Elite als Feinbild zeichnen, zeigen sich hier.
Zusammenhang zwischen Zufriedenheit mit Leistungsfähigkeit und politischer Zufriedenheit insgesamt
Abschließend wird mithilfe einer Regressionsanalyse untersucht, wie stark die drei Ebenen der wahrgenommenen Leistungsfähigkeit – Input, Throughput und Output – mit politischer Zufriedenheit insgesamt zusammenhängen. Ein statistischer Zusammenhang trifft keine Aussage über eine mögliche Kausalität bzw. Deren Richtung, dennoch ist er eine sehr ausschlussreiche Messgröße, da er vermittelt, dass zwei Phänomene – wie hier wahrgenommene Leistungsfähigkeit und politische Zufriedenheit insgesamt – miteinander in einer Beziehung stehen. Ebenfalls kann sie Aufschluss darüber geben, ob ein Zusammenhang positiv ist – das heißt konkret, hohe Werte der Zufriedenheit in den einzelnen Eine Regressionsanalyse ermöglicht, sozio-demographische Merkmale der Befragten (Alter, Geschlecht, Bildungsstand etc.) zu kontrollieren. Das heißt, diese Faktoren können in der Analyse konstant gehalten werden, sodass diese Einflussgrößen das Ergebnis hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen wahrgenommener Leistungsfähigkeit und politischer Zufriedenheit nicht verzerren.
Wie aus der Abbildung hervorgeht, stehen alle drei Ebenen in einem positiven Zusammenhang mit politischer Zufriedenheit insgesamt. Die Input-Ebene weist den mit Abstand stärksten Zusammenhang auf, Output- und Throughput-Ebene rangieren dann auf ähnlichem, halb so starken, Niveau. Interessant ist zudem, dass, obwohl Throughput mit Abstand am negativsten bewertet wird, sich dennoch der schwächste Zusammenhang mit politischer Zufriedenheit insgesamt zeigt.