Ob das politische System, in dem man lebt, die Leistungen erfüllt, die man von ihm erwartet, spielt eine große Rolle für das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern in Politik. Wenn das Vertrauen in die Fähigkeit der Politik sinkt, ihre grundlegenden Aufgaben zu erfüllen und Probleme zu lösen, hat das Folgen: Frust, Radikalisierung und wachsende Distanz zur Demokratie. Genau hier setzt die diesjährige Ausgabe der Studie „Wie wir wirklich leben“ an.
In Deutschland war ein Defizit in der Leistungsfähigkeit der Politik während der letzten Legislaturperiode offensichtlich: Streit in der Ampelkoalition, langsame Entscheidungen und wirtschaftliche Unsicherheit verstärkten das Gefühl, die Politik leiste nicht genug. Entsprechend laut war im Bundestagswahlkampf 2025 die Forderung, Politik müsse „endlich wieder liefern“. Schnelle Ergebnisse, sichtbare Veränderungen und konkrete Versprechen standen im Zentrum vieler Wahlkampagnen – als ginge es darum, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger durch messbare Erfolge zurückzugewinnen.
Doch ist „Liefern“ wirklich alles, was Politik leisten muss? Diese Frage betrifft nicht nur Deutschland, sondern viele Demokratien weltweit. Im Wettbewerb mit autokratischen Systemen, die oft schneller entscheiden, scheint der Maßstab für politische Leistungsfähigkeit zunehmend auf kurzfristige Ergebnisse zu schrumpfen. Aber gute Politik ist mehr als Output – sie muss Beteiligung ermöglichen, transparent handeln und Vertrauen schaffen.
Diese Fokussierung auf das Liefern von Outputs um Leistungsfähigkeit zu suggerieren könnte aber aus mehreren Gründen zu kurz greifen: Erstens adressieren Outputs zwar viele objektiv messbare Kriterien der Leistungen politischer Systeme – etwa das BIP, die Arbeitslosenquote oder der Inflationsrate – lassen aber die subjektiven Empfindungen über Leistungsfähigkeit seitens Bürgerinnen und Bürger außer acht. Dabei ist die subjektiv empfundene Performanz besonders interessant: Empirisch wurde ein starker Zusammenhang zwischen subjektiv empfundener Performanz und politischem Vertrauen festgestellt. Zwischen objektiven Kriterien und politischem Vertrauen findet sich dieser Zusammenhang nur beim Wirtschaftswachstum. Will man also politischer Unzufriedenheit in der Gesellschaft entgegengehen, kommt es vor allem auf das subjektive Empfinden der Bürgerinnen und Bürger darüber an, ob und an welchen Stellen ein politisches System leistet, was es soll. Hier kommt ein zweiter Punkt hinzu: Leistungserwartungen an politische Systeme haben Bürgerinnen und Bürger in vielen Hinsichten – nicht nur Output-seitig.
Im Fokus der diesjährigen Ausgabe der „Wie wir wirklich leben“-Studie steht daher das subjektive Empfinden von Bürgerinnen und Bürgern über die Leistungsfähigkeit des politischen Systems in Deutschland. Dabei leitet die Studie de Frage an, welche Leistungen erfüllt sein müssen, damit Bürgerinnen und Bürger zufrieden mit der Leistungsfähigkeit des politischen Systems sind. Eine differenzierte Analyse der Bewertung unterschiedlicher Leistungen und deren Zusammenhang mit politischer Zufriedenheit insgesamt bilden den Kern der diesjährigen Untersuchung.