Das Projekt QuartierPflege von Gesellschaft für Gemeinsinn e. V. will die pflegerische Grundversorgung im Stadtteil Esslingen-Pliensauvorstadt sichern – durch die systematische, nachhaltige und wertschätzende Aktivierung von Nachbar:innen und Angehörigen.
QuartierPflege
Das Projekt QuartierPflege baut auf nachbarschaftliche Beziehungen und das Wohncafé vor Ort auf, um ein innovatives Modell für lokale Pflegeversorgung zu etablieren. Dabei wird Pflege nicht nur als Aufgabe professioneller Dienste verstanden, sondern als geteilte Verantwortung im Sozialraum – mit kulturellen Angeboten zur Aktivierung und Teilhabe. Durch Schulung, Vernetzung und partizipative Formate entsteht ein nachbarschaftliches Pflegenetzwerk mit Modellcharakter für andere Städte. Das Projekt schafft langfristige Strukturen, die emotionale Fürsorge mit professioneller Koordination verbinden – als zukunftsfähige Antwort auf den drohenden Pflegenotstand.
“QuartierPflege ist eine Wende zurück zu gemeinschaftlicher Unterstützung und der Ausgründung verbindlicher Sorgegemeinschaft.”
Diana Kinnert
Herr Kiel, Sie sind Vorstand der Gesellschaft für Gemeinsinn e. V. und mit dem Projekt QuartierPflege haben sie sich entschlossen im Thema Pflege neue Wege zu gehen: Sie setzen auf eine Mischung aus professioneller Pflege und nachbarschaftlicher Fürsorge. Merken Sie dabei, dass nicht nur dem Pflegenotstand, sondern auch einer zunehmenden Altersisolation entgegengewirkt werden kann? Wie ist die Resonanz, die Sie bisher im Zusammenhang mit dem Projekt erhalten haben?
QuartierPflege bedeutet erhöhte soziale Teilhabe und mindert somit direkt Altersisolation. Weil wir offene Quartierarbeit mit Pflege in Kleinquartieren kombinieren entstehen Zusatzeffekte: Durch die Anstellung von Nachbar*innen zwischen 14 und 80 bei der Kommune entstehen Sorgegemeinschaften, die Einsamkeit generationenübergreifend lindern. Menschen begeistern sich für unsere Projekte, weil wir in schwierigen Zeiten gesellschaftliche Großbaustellen mit umsetzbaren Lösungen inklusive gesellschaftlichem Mehrwert beantworten.
Welche langfristige Wirkung wünschen Sie sich, dass Ihr Projekt in der Gesellschaft entfaltet?
Wir möchten mit der QuartierPflege einen Systemwechsel in der Pflege einläuten. Statt alte Menschen zu entrechten und wegzusperren, ist uns deren Integration im Sozialraum ein Anliegen. Wenn sich schon familiäre Bindungen auflösen, dann wollen wir diesem Trend eine belebte, finanziell gestärkte Nachbarschaft entgegensetzen, statt über Kolonialismus 2.0 anderen Ländern ihre Pflegekräfte zu entziehen.
Welche Unterstützung – abgesehen vom Preisgeld – ist für Ihre Arbeit besonders wertvoll?
Bislang begegnen uns Politik und Pflegekassen – ebenso wie der gesamte Staatsapparat – mit Zurückhaltung. Dabei stecken wir in Deutschland in einem akuten Pflegenotstand, und mit QuartierPflege haben wir eine wirkungsvolle und nachhaltige Lösung entwickelt. Wir würden uns wünschen, dass sich mehr Unternehmen involvieren und Einflussträger*innen aus diesen Bereichen aktiv ansprechen – und sie mit ihrer Inaktivität oder sogar destruktiven Haltung konfrontieren. Nur so können wir unser Ziel, eine deutschlandweite Wende in der Pflegeversorgung in Gang zu setzen, erreichen.
"QuartierPflege ist ein Projekt der Gesellschaft für Gemeinsinn e. V. und verfolgt das Ziel, Fürsorge und Pflege in der Nachbarschaft neu zu denken – gemeinschaftlich, professionell und generationsübergreifend. Menschen werden qualifiziert, um andere im Alltag verlässlich und verantwortungsvoll zu unterstützen. So entsteht ein tragfähiges Netz, das weit über spontane Hilfe hinausgeht, der altersbedingten sozialen Isolationen entgegenwirkt und aufzeigt, welchen Stellenwert Pflege im unmittelbaren Lebensumfeld haben kann, ein Thema, das jeden Menschen in naher oder ferner Zukunft betreffen wird. Besonders beeindruckt hat uns, wie QuartierPflege neue Wege geht: Das Projekt erweitert den Blick darauf, was Familie und Gemeinschaft heute bedeuten können – gerade in einer Zeit, in der viele Menschen allein oder ohne klassische familiäre Strukturen leben. QuartierPflege schafft neue Formen der Nähe, der Verlässlichkeit und des Miteinanders.
Dieses Projekt hat Vorbildcharakter – für andere Städte und Nachbarschaften. Es zeigt, dass Fürsorge eine gemeinsame Aufgabe ist, die alle betrifft. Und dass eine solidarische, mitfühlende Gesellschaft dort beginnt, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen – direkt vor der eigenen Haustür."
– Michi Beck, Dr. Gregor Gysi, Diana Kinnert, Minh-Khai Phan-Thi, Benjamin von Stuckrad-Barre
Hier gibt es weitere Informationen zu Gesellschaft für Gemeinsinn e. V. und dem Projekt QuartierPflege.







